Kann ich immer alles wollen, was ich will?

Offensichtlich nicht – jedenfalls nicht immer und nicht alles. „Man tut nicht, was man will, sondern man will, was man tut!” Das hat ein befreundeter Hirnforscher beiläufig fallen gelassen. Knackig auf den Punkt gebracht, sowas gefällt mir! Aber Moment mal – geht das wirklich so weit? Und wie kommt er überhaupt darauf?

Im sogenannten „Libet-Experiment” (1979)[1] wurde gezeigt, dass das Bewußtsein bei willkürlichen Bewegungen hinterherhinkt. Daraus wurde dann von verschiedenen Leuten (z. B. Wolf Singer[2]) dramatisch abgeleitet, es gäbe also keinen „freien Willen”. Weswegen das Strafrecht reformiert gehöre und so fort. Okay, so kommt er also drauf.

Und geht es nun wirklich so weit? Ich denke nicht. Und zwar aus folgender Überlegung: In der Diskussion geht es gar nicht mehr um die unmittelbare Willkür, sondern um den freien Willen, den ich brauche, um Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen zu können. Verantwortung trage ich, wenn ich signifikant Einfluss auf meinem Willen habe. Habe ich den nicht, muss ich mich auch nicht verantworten.

Der springende Punkt ist: Ob dieser Einfluss nun unmittelbar ist oder eher was mit Übung zu tun hat, ist egal. Aristoteles war vor über 2.000 Jahren schon der Ansicht, dass eher letzteres der Fall ist.[3] Das Libet-Experiment deutet – wenn schon – in die selbe Richtung.

Das heißt: Ich kann meinen Willen lenken, wenn ich mich darum bemühe. Und insofern ist mein Wille frei. Ob mir das nun gefällt oder nicht.

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Libet-Experiment []
  2. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hirnforschung-keiner-kann-anders-als-er-ist-1147780.html []
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Nikomachische_Ethik#Tugenden []